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Jess Jochimsen
Foto: Andrea Leifeld

Bilder und Spott zur Weltlage in Salzgitter

14.03.2022 - Salzgitter-Zeitung

Mit einer Mischung aus Spott, Ironie, Songs und Dias erklärte der Kabarettist Jess Jochimsen die Welt in der Kniestedter Kirche.

Viel zu lachen, aber auch manch Nachdenkliches gab es Freitagabend in der Kniki, als der Musikkabarettist Jess Jochimsen mit einer bunten Mischung aus Spott, Ironie, Songs und Dias die Welt erklärte. Und die war vornehmlich geprägt von Corona. So entstand sein aktuelles Programm „Meine Gedanken möchte ich manchmal nicht haben“.

Es war nicht nur für Künstler, Kabarettisten und Freiberufler eine aufwühlende Zeit, erinnerte Jochimsen an viele geplatzte Auftritte und die gänzlich fehlende Kultur in den zurückliegenden zwei Jahren. „Wenn Sie wüssten, wie schön es ist, dass Sie da sind“, wandte er sich strahlend an das Publikum, für ihn die „intellektuelle Speerspitze aus Bad Salzgitter.

Corona in Zahlen

Manche Gedanken bekamen durch Corona eine völlig neue Bedeutung: „Nein, Mutter, ich besuche dich nicht – ich könnte dich umbringen.“ Endlich könne man mal laut sagen, was man in den Jahren davor nicht einmal denken durfte. Aber Obacht: Wer seine Eltern tötet, ist von Erbe ausgeschlossen. So sei es im Bundesgesetzbuch nachzulesen. Aber gelte das auch für Corona? „Neulich fragte mich mein Sohn, ob er schulfrei bekommt, wenn ich sterbe…“ So seien die vergangenen zwei Jahre vornehmlich von Mathematik, Zahlen und Statistiken geprägt gewesen. „Aber glauben Sie mir, nach der Omikron-Variante hält das griechische Alphabet noch viele Buchstaben parat“, betonte Jochimsen, selbst nicht glaubend, dass die Pandemie überwunden sei. Corona-Zahlen seien mathematisch nüchtern und nicht durch Esoterik und blumige Umschreibungen darstellbar.

Virologen und Pazifisten

Doch auch die vergangenen zwei Wochen prägten entscheidend das Bild in unserer Gesellschaft. So leben nicht nur 80 Millionen Virologen, sondern ebenso viele Pazifisten in unserem Land: „Wann haben Sie das letzte Mal ein Gespräch geführt, in dem es nicht um Corona oder den Krieg in der Ukraine ging?“

Corona offenbarte doch nur das, was wir schon vorher gewusst hätten: schauderhafte Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen. schlechte Ausstattung in Schulen. Notstände in der Altenpflege und fehlende Erntehelfer. Einmal vom Balkon applaudieren – das habe da nicht gereicht, um die Missstände zu beseitigen.

Wer stets joggt, lebt und läuft länger

Überhaupt sei unsere Gesellschaft überall in Zahlen verstrickt: Wie viele Prozent haben welche Partei gewählt? Wer verdient wie viel? Oder anders: Wer jeden Tag eine Stunde joggt, lebt zwei Jahre länger – ist aber auch vier Jahre am Laufen.

Ja, Jess Jochimsen, erklärte unsere Welt mit beißendem Spott und eigenen Geschichten. Gut getroffen und betrachtenswert zeigten auch die von ihm gemachten Fotos amüsante Einblicke in unsere Gesellschaft. Und diese besondere Mixtur machte ihn schließlich aus, den munteren Abend in der Kniestedter Kirche.

Und: Wer zwischen sterbensschönen Songs und den Abgründen der Nation noch nicht den Spaß an einem unterhaltsamen Kabarettabend verloren hat, kann Jess Jochimsen wiedersehen: Ende April gastiert er mit dem Programm „Meine Gedanken möchte ich manchmal nicht haben“ im Bündheimer Schloss in Bad Harzburg.

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